NACH KIRCHHELLEN

Bereits bei der Anlage des Westnetzes der Recklinghausener Strassenbahnen war an eine Anbindung des Amtes Kirchhellen an die Straßenbahnstrecken im Kreis Recklinghausen gedacht. Diese hätte über die Kirchhellener Straße von Bottrop aus erfolgen können, eine zweite Variante war die Anbindung über die Rentforter Straße und die Kirchhellener Straße von Gladbeck. Auch eine durchgehende Linienführung von Bottrop über Kirchhellen nach Gladbeck.

Einstweilen wurden Überlegungen dieser Art nicht weitergeführt. So blieb es bei der am 15. Juli 1909 eröffneten kurzen Strecke von Gladbeck nach Rentfort.

Bewegung kam in die Sache, nachdem die Vestischen Kleinbahnen im Oktober 1920 eine Busverbindung von Schalke nach Gladbeck eröffneten, die bereits im Monat darauf bis Kirchhellen verlängert wurde. Mit dem Omnibusbetrieb wollte man damals die Nachfrage für den angedachten Bau von Straßenbahnlinien ermitteln.

Zwischen Gladbeck und Kirchhellen war die Resonanz auf den Omnibus positiv. Die einsetzende Inflation erzwang jedoch am 24. August 1921 die Einstellung der im Februar 1921 über Kirchhellen hinaus bis Dorsten verlängerten Omnibusverbindung.

Im Zusammenhang mit der Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Besatzungstruppen wurde am 14. Januar 1923 auch der Straßenbahnbetrieb zwischen Gladbeck und Rentfort eingestellt. Erst am 6. März 1924 kehrte die Straßenbahn zurück.

NEUE PERSPEKTIVEN

Nachdem die Einführung der Reichsmark im Herbst 1924 wieder ein stabiles wirtschaftliches Gefüge in Aussicht stellte, griffen der Kreis Recklinghausen und die Vestische Kleinbahnen GmbH die lange verschobenen Straßenbahnprojekte wieder auf. In der Ausgabe vom 25. Mai 1925 konnte die Gladbecker Zeitung berichten, dass der Bau der Straßenbahn nach Kirchhellen nunmehr voraussichtlich im Sommer beginnen würde. Der Verkehrsverein Gladbeck richtete ab dem 26. Mai 1925 für die veranschlagte Bauzeit eine provisorische Autobuslinie mit Pferdefuhrwerken zwischen seinem Büro in Gladbeck und dem Amtshaus in Kirchhellen ein.

Es sollte gleichwohl noch weitere vier Jahre dauern, bis die Straßenbahnstrecke nach Kirchhellen tatsächlich gebaut wurde. Am 30. März 1930 wurde die 5,1 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen der Hegestraße in Rentfort und Kirchhellen in Betrieb genommen.

LINIE 19 – LINIE 17

Bereits am Tag nach der Eröffnung, am 1. April 1930, wurde der neue Streckenabschnitt in die Gemeinschaftslinie 19 der Vestischen Kleinbahnen und der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft / Essener Strassenbahnen integriert. Der Linienweg führte von Kirchhellen über Rentfort, Gladbeck, Boy, Horst, Karnap, Altenessen und Essen nach Bredeney.

Am 4. September 1939 wurde der Gemeinschaftsverkehr auf dem Streckenast nach Kirchhellen aufgegeben. Nunmehr übernahm die Linie 17 den Abschnitt zwischen Gladbeck Rathaus und Kirchhellen.

Während es auf anderen Strecken häufige Wechsel der Linienzuordnung gab, blieb Kirchhellen über viele Jahre der nördliche Endpunkt der Linie 17, während die Endstellen am anderen Ende häufig wechselten. Am 14. März 1964 nahm Wolfgang R. Reimann den auf der Linie 17 eingesetzten Triebwagen 362 vor der 1925 geweihten katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer auf.

TANNENGIRLANDE UND FAHNEN

Am 21. November 1964 wurde der Schienenverkehr zwischen Gladbeck und Kirchhellen eingestellt. Zuletzt fuhrt die „17“ von Kirchhellen über Gladbeck, Horst, Boy, Bottrop und Osterfeld bis zum Bahnhof in Sterkrade. Gut ein halbes Jahr zuvor, am 16. Mai 1964, gelang Eduard J. Bouwman das Foto von den kreuzenden Triebwagen 362 und 365 an der Ausweiche Hohe Heide (Sammlung Reiner Bimmermann).

Die letzte Fahrt der Linie 17 von Kirchhellen nach Gladbeck fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Triebwagen 362, ein langjähriger „Stammwagen“ der Linie 17, war aus diesem Anlass mit Tannen und Fahnen geschmückt (Foto Hans Büning – Sammlung Ludwig Schönefeld).