SCHWARZVERKEHR

Als „Schwarzverkehre“ bezeichnete man im Ruhrgebiet über viele Jahre spezielle Omnibuslinien, die speziell für den Transport von Bergleuten unterhalten wurden. Die Zusammenlegung von Schachtanlagen hatte dazu geführt. dass die Transportwege der Bergleute unter Tage immer länger wurden. Um die Grubenbahnen zu entlasten, ging man dazu über, die Bergleute stattdesen von den Kauen, in denen sie sich umzogen, über Tage zu ihren Arbeitsplätzen zu transportieren. Da die Arbeitskleidung nach der Schicht von Kohlestaub bedeckt war, bürgerte sich für die Omnibuslinien der Begriff „Schwarzverkehr“ ein.

Einen Vorläufer der ab den 1980er-Jahren durchgeführten „Schwarzverkehre“ gab es bereits 1926 im Auftrag der Zeche Emscher-Lippe.

Sie übernahm in diesem Jahr die Bergleute der am 15. Juli 1926 stillgelegten Zeche Hermann in Selm. Die Bergwerksgesellschaft Hermann mbH hatte 1909 die Kohleförderung aufgenommen. Die über den Schacht 1 angefahrene 1. Sohle lag in einer Tiefe von 850 Metern. Die 2. Sohle lag 950 Meter unter der Oberfläche. Sie wurde ab 1910 durch den 975 Meter tiefen Schachte II erreicht, der damit zu diesem Zeitpunkt der tiefste Schacht im gesamten Ruhrrevier war.

Nachdem der Förderbetrieb auf „Emscher-Lippe“ 1923 während der Ruhrbesetzung zeitweise unterbrochen war, wurden einige Bergleute aus Datteln vorübergehend auf „Hermann I/II“ weiterbeschäftigt. Als diese dann 1926 aufgrund häufiger Wassereinbrüche und einer auf Dauer unzumutbaren Hitze an den Arbeitsplätzen vor Ort schließen musste, übernahm die Zeche Emscher-Lippe einen Teil der zuletzt 3.300 Mitarbeitenden.

Damit die Bergleute und ihre Familien weiterhin in den Werkswohnungen der Hermannssiedlung in Selm-Beifang bleiben konnte, richtete die Zeche Emscher-Lippe in Zusammenarbeit mit den Vestischen Kleinbahnen einen ersten „Schwarzverkehr“ zwischen Selm und Datteln ein.

Nicht nur die Zeche Emscher-Lippe, auch fünf weitere Schachtanlagen im Revier übernahmen einen Teil der gut ausgebildeten Bergleute aus Selm. Für die Arbeiterverkehre beschafften die Vestischen Kleinbahnen insgesamt sechs Motorwagen (Betriebsnummern 21 bis 26) und drei Anhängewagen. Fünf Motorwagen wurden bei MAN neu beschafft. Auch die Anhänger waren Neubauten.

Zur Unterbringung der Fahrzeuge wurde in Selm eine Autobushalle gebaut. Bis 1931 absolvierten die Lastwagen rund 34.600 „Schwarzfahrten“ im Auftrag der Zechen.

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