NACH HASSEL

Welchen Weg die Straßenbahn von Buer aus zu den neu entstandenen Wohngebieten im Norden nehmen sollte, war anfangs nicht klar. Die Berichte der Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung legen nahe, dass anfangs zwei Streckenführungen im Gespräch waren: Eine Strecke sollte das 1912 eingeweihte Rathaus Buer über die heutige Mühlenstraße und die Bergmannsglückstraße mit der Zeche Bergmannsglück verbinden. Die zweite Strecke sollte von Buer über die 1903 angelegte Königswiese und die Polsumer Straße nach Hassel, Polsum und Marl führen.

Für die neu anzulegenden Polsumer Straße wurde „aus Anlaß der Anlage der Straßenbahn“ eine Fluchtlinienbreite von 21 Metern festgelegt. Am 22. Februar 1915 genehmigte die Stadtverordnetenversammlung in Buer den Ankauf der dafür benötigten Grundstücke zwischen der Dillbrinkstraße und der Kolonie Hassel.

Als Vorleistung für die Strecke von der Freiheit in Buer über die verlängerte Bergmannsglückstraße (Mühlenstraße) zur Zeche Bergmannsglück wurde in der Stadtverordnetensitzung vom 26. April 1915 der Beschluss gefasst, die Erneuerung einer Eisenbahnbrücke mit 6000 Mark zu unterstützen. Mit dem einmaligen Zuschuss sollten die Mehrkosten für eine breitere Durchfahrt (14 statt 10 Meter) ausgeglichen werden. Die großzügigere Bemessung der Straßenunterführung wurde als notwendig erachtet, um die künftige Straßenbahntrasse aufzunehmen.

POLSUMER STRASSE

Realisiert wurde zunächst die Strecke vom neuen Rathaus über die Königswiese und die Polsumer Straße. Die Gleisarbeiten wurden im Spätsommer und Herbst 1915 durchgeführt. In dieser Zeit ereignete sich am 14. September 1915 noch ein schwerer Unfall, als ein zwölfjähriger Junge eine tödliche Kopfverletzung erlitt, nachdem zwei andere Jungen ein 18 Meter langes Schienenstück als Wippe missbraucht hatten.

Die Arbeiten gingen zügig voran. Am 20. Dezember 1915 berichtete die Gelsenkirchener Zeitung ausführlich über die bevorstehende Eröffnung der Linie 10 mit den Haltestellen Rathaus, Marktplatz, Westerholter Straße, Freiheit, Mandelsweg, Hagenbredde, Betriebsbahnhof, Dillbrink- und Lüchterstraße und Im Eichholz. Die Endstelle befand sich in Höhe der Arndtstraße in Hassel.

Am 22. Dezember 1915 wurde die neue Strecke landespolizeilich abgenommen. Am 23. Dezember 1915 wurde der Linienverkehr auf der 2,88 Kilometer langen Verbindung nach Hassel aufgenommen.

Die Strecke hatte anfangs keinerlei Verbindung zu anderen Strecken der Vestischen Kleinbahnen. Für den Inselbetrieb errichtete der Verkehrsbetrieb an der Polsumer Straße 1 einen Betriebsstützpunkt.

NETZANSCHLUSS

Mit der Inbetriebnahme der Verbindung von Resse nach Buer am 24. August 1916 wurde der Inselbetrieb an das Ostnetz der Vestischen Kleinbahnen angeschlossen. Jedoch unterband der Erste Weltkrieg einstweilig sowohl den geplanten Weiterbau der Strecke über Polsum nach Marl als auch die Anbindung der Zeche Bergmannsglück. Priorität hatten einstweilen andere Projekte.

DURCH POLSUM

Auf die Weiterführung der Straßenbahnstrecke von Hassel über Polsum nach Marl musste Buer lange warten. 1925 wurde die Endstelle in Hassel um rund 200 Meter bis an die Einmündung der Oberfeldinger Straße verlängert. Bis zum 24. Dezember 1926 konnte dann die rund fünf Kilometer lange Ergänzung von der Oberfeldingerstraße bis Marl fertiggestellt und dem Linienverkehr übergeben werden.

Die geplante Strecke über die Bergmannsglückstraße wurde trotz der von der Stadt Buer erbrachten Vorleistungen nicht mehr realisiert.

WECHSELNDE LINIEN

Die Verbindung von Buer nach Marl sah im Laufe ihres Bestehens zahlreiche Liniennummern. Den Anfang machte der als Linie 10 bezeichnete Inselbetrieb zwischen Buer Rathaus und Hassel Arndtstraße. Zuletzt wurde die Strecke von den Linien 11 und 12 befahren.

Auf dem Abschnitt zwischen Marl und Polsum wurde der Schienenverkehr am 27. Mai 1969 eingestellt. Gleichzeitig entfiel das Liniensignal 12. Das Reststück zwischen der Königswiese in Buer und Polsum wurde in der Folgezeit von der Linie 11 bedient. Ab 1974 gab es eine Direktverbindung von Recklinghausen Hbf. über Buer nach Polsum. Zum Einsatz kamen hier neben den lezten vierachsigen Großraumwagen gelegentlich auch sechsachsige Gelenkwagen. Am 28. Mai 1977 wurde auch die Linie 11 eingestellt.

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